• Tag 50


    95 km von Kingsdown nach Dover, von dort mit der Fähre nach Dünkirchen und mit dem Fahrrad dann nach Armentieres

    Kaum hat man sich so richtig auf den Linksverkehr eingestellt, muß man sich auch schon wieder umstellen. Das war echt gar nicht ganz so einfach und zum Glück haben mir die AutofahrerInnen den einen und anderen Abbiegefehler nachgesehen.
    Die Fährüberfahrt selber war entspannt. Davor war es bisschen hektisch, bis ich mich zurechtfand und wusste wohin und mein Fährticket konnte ich auch nicht mit der Karte bezahlen (technischer Fehler) und musste dann nochmal Geld am Automat ziehen, zu ziemlich ungünstigen Konditionen. Aber was soll’s.
    Das Hinterrad eierte mehr und mehr und schleifte schon am Schutzblech. Für mich war klar da, muß ein neues her. Aber auch hier Fehlanzeige bei den ersten Radläden. Immerhin fand ich jemanden, der -nach der Mittagspause – die gebrochenen Speichen ersetzte und das Rad recht engagiert wieder fahrtüchtig machte. Und bislang rollt es prima. Immerhin schon ganze 70 Kilometer. Doch es bleibt eine Gradwanderung und ich sitze leicht angespannt deshalb auf dem Fahrrad.
    In Frankreich war gut radeln. Breite Straßen, besserer Teer, weniger Verkehr, nicht soviele Supermärkte, schöne Städtchen- noch geschmückt vom Nationalfeiertag und den Hüpfburgen und dem Softeiswagen- und flach war es auch und ich konnte freudig dahinpedalieren.
    Ich baue nun – ziemlich müde – kurz vor Lille, in einem kleinen Park mein grünes Zelt auf und freu mich auf den verdienten und erholsamen Schlaf.

  • Tag 49

    78 km von Faversham über Canterbury nach Kingsdown

    Der Abstecher nach Canterbury hat sich, was die Felge anbelangt, nicht gelohnt. Weiterhelfen konnte mir da niemand. Ausgebucht, kein Monteur, Corona Aber da das Hinterrad trotz fehlender Speiche recht rund lief, hat mich das nicht allzusehr bekümmert und ich hab mir ein bisschen die Stadt angeschaut und gemütlich Kaffeepause dort gemacht.
    Bei bestem Radelwetter strampelte ich dann weiter zur Küste. Ich wollte ja einfach an meinem letzten Tag auf der Insel nochmal ausgiebig das Meer erleben und das hab ich dann auch einfach gemacht. War schwimmen in Sandwich Bay und am Strand von Kingsdown.
    Das Wasser hat mittlerweile eine fast angenehme Temperatur und man kann es eine gute Weile drin richtig genießen und in den sanften Wellen sich treiben lassen. Nur immer auf die Unterströmung achten, man wird doch gleich ein gutes Stück abgetrieben. Alles also perfekt. Nun ja, die Speichen sorgen nach wie vor dafür, daß ich nicht ganz so unbekümmert durch den Tag komme. Kurz vorm Campingplatz ist die nächste (Nr.10 inzwischen) krachend gebrochen und seither hat das Hinterrad einen mächtigen Schlag. Ich selber kann nix mehr reparieren, da mir das passende Werkzeug fehlt, um den Zahnkranz abzuziehen. So hoffe ich nun einfach die 15 km morgen früh bis zur Fähre vollends zu schaffen, um dann in Dünkirchen, wo es einige Radläden gibt, mein Glück zu versuchen. Bleibe einfach mal optimistisch, auch die letzten bleibenden gut 1000 km radelnd zurücklegen zu dürfen.

    Das „Frevelbier“ gab es in einem kleinen Laden, dessen Besitzer auf deutsches Bier schwört. Es gab 5 verschiedene Sorten dort.

  • Tag 48


    110 km von Brentford über Greenwich, Dantford und Rochester nach Faversham

    Da lagen heut morgen, als ich aufgewacht bin, doch tatsächlich einige meiner Sachen, die im Außenzelt platziert waren, wild verstreut auf der Wiese. Auch die Einlegesohlen der Radschuhe. Ich hatte anscheinend – tierischen???- Besuch heute Nacht und hab nix davon mitbekommen. Das nennt man dann wohl einen gesunden Schlaf.
    Heut bin ich sicherlich 60 Kilometer nur durch Städte und Vorstädte geradelt und hab ordentlich Ruß und Bremsgummi und was weiß ich sonst noch alles geschluckt und dies bei ordentlich warmen Schwitzwetter. Zeitweise ging es wieder neben der Autobahn entlang und dann gab es noch diesen unendlich langen Stau am späten Nachmittag, wo gar nix mehr ging. Es sei dann man hatte ein Fahrrad. Die Autofahrer taten mir echt leid. War wohl ein Unfall, der da zum völligen Verkehrskollaps führte und sämtliche Straßen kilometerweit blockierte.
    The never ending Story schrieb heut auch eine einfach nur nervige Fortsetzung:
    Kaum aus London raus, brach mal wieder ne Speiche und sämtliche Radläden auf der Strecke sahen sich außerstande, diese heut noch zu reparien oder mir ne andere Felge zu verpassen. Jetzt radle ich halt mit einer Speiche weniger und hoffe voll und ganz auf Canterbury morgen und die Radmechaniker dort!
    Schön dagegen war meine Pause in dem netten Cafe in Rochester mit leckerem Apple-Pie und das feine Brot vom Vortag bekam ich, inklusive netter Plauderei, sogar geschenkt von der symphatischen Verkäuferin, die vor 12 Jahren vom Plattensee mit ihrer Familie nach England umsiedelte.
    Und ganz überraschend entdeckte ich dann doch tatsächlich am frühen Abend noch eine Obstplantage mit mega leckeren, dicken Kirschen und konnte mich dort so richtig sattessen. Dass ich das in diesem Sommer noch erleben darf. Es hatte was Paradiesisches.
    Emotionales Highlight war dann definitiv der Besuch bei der Old Bunce Court School und bei Fam. Miller, die dort nun seit 35 Jahren leben.
    Anna Essinger leitete diese so besondere Schule. Sie floh 1933 mit den Kindern aus Ulm vor den Nazis und fand dort im Destrikt Kent glücklicherweise eine neue Heimat. Dieses Jahr erst ist in England ein Buch über diese Schule und ihre Menschen erschienen.
    „The School that Excaped the Nazis“ von Deborah Candbury.
    Und diese Buch bekam ich nun von den Millers geschenkt, verbunden mit herzlichen Grüßen an die Menschen rund um Herrlingen.
    Es war echt ein sehr bewegender Besuch dort und als Herr Miller die alte Schulglocke ertönen ließ bekam ich Gänsehaut.

  • London

    25 km Sonntagsrundfahrt durch London.

  • Tag 44

    Tag 44

    Brentford und London; 46 km

    da radelt man eigentlich nur durch die Stadt und hat am Abend dann doch wieder einige Kilometer mehr auf dem Tacho…..verrückt dieses London; soviele Eindrücke und Menschen hier.

    Ich hatte am Morgen eine Einladung von Eva,  der Pressevertreterin vom DFB bei der UEFA zum Kaffeeplausch im Hotel wo auch die offiziellen  Pressekonferenzen immer stattfinden; gleich um’s Eck von „meinem Campingplatz „, der mit Sonne betrachtet doch ganz annehmbar ausschaut….und über den im  Minutentakt die Flugzeuge vom nahen Flugplatz Heathrow lautstark hinwegfliegen.

    Danach hab ich einfach mit dem Fahrrad mich durch die Stadt treiben lassen und hab mich länger Im Hydepark aufgehalten; da haben am frühen Nachmittag schon die Begleitbands zum großen Pearl Jam Konzert am Abend schöne Musik gemacht und die unzähligen Menschen erfreut. Unglaublich was da los war an Lebenslust und -freude an diesem so herrlich sonnigen Sommertag.

    Ich bleib heut Nacht wieder mit meinem Zelt am selben Fleck wie letzte Nacht; danach hab ich für die 3 Nächte in London über „warmshowers“ eine Adresse wo ich bleiben kann und werde dann auch mal ohne Fahrrad losziehn können. Dienstag das zweite Spiel gegen Spanien am Abend und Mittwoch radle ich dann wieder heimwärts und will nochmal einen Tag am Meer verbringen.
    (So die Speichen halten)
    Die nächsten 3 Tage werd ich auch nicht viel auf meinem Blog schreiben; sondern einfach London jetzt kennen lernen…….

  • Tag 43


    48 km von Hertford zum Community Stadion Brentford

    Da hab ich mich so auf die letzte Etappe zum Stadion gefreut und mich mit Deutschland Trikot und Fahne auch dementsprechend ausgestattet und dann bricht mir ne Speiche und ein paar Kilometer weiter wieder dieses markerschütternde Geräusch und die zweite Speiche war hinüber. Tja, zum Glück hab ich es bis zu John’s Cycle Laden geschafft und der gute Kerl hat sich dann echt viel Zeit genommen und hat mein Hinterrad wieder komplett gerichtet und auch versucht die Spannung der Speichen auszutrarieren.
    Danke John !!!!
    Dann gut 20 km durch Vororte von London, auch nicht wirklich ein Vergnügen und schließlich stand ich nach gut 5000 geradelten Kilometern tatsächlich vorm Stadion in Brentford. Mitten drin in diesem Stadtteil von London und von außen gar nicht auf den ersten Blick wahrzunehmen.
    WOW-Gefühl und Freude in mir.
    Es folgten Begegnungen mit zahlreichen Fans rund um’s Stadion und beim bierseligen Treffpunkt vom DFB Fan Club beim Gunnersbury Pub. Klasse !!!
    Und doch nichts im Vergleich zu dem tollen Fußballfest unserer Mädels in ihrem Auftaktspiel, Das hat richtig Laune gemacht, nicht nur wegen des Ergebnisses.
    Danke für diesen tollen Tag!!!!
    Mein Zelt schlag ich jetzt in einem verwaisten Park in unmittelbarer Nähe zum Hilton Hotel auf. Dort übernachten unsere Nationalspielerinnen und zudem finden dort (angeblich meist indische) Hochzeiten statt und ich hab noch ordentlich Musikbeschallung.

  • Tag 43 – Eilmeldung

    Doppelter Speichenbruch 30 km vorm Stadion.

    …mein Retter diesmal John

    Jetzt noch 14 km vorm Stadion. Ich sitze auf der Gegentribüne Mitte mit total ausgebleichter „Hardy on Tour“ Deutschlandfahne.

  • Tag 42

    Von Hertford nach Huntington, 85 km

    Sehr gut für den Radreisenden sind die allermeist sehr gepflegten öffentlichen Toiletten in den meisten ( auch kleineren) Städten

    Heut gibt es gar nicht groß was zu berichten und auch kaum Fotos…. seit dem frühen Nachmittag bin ich jetzt 40 km von London Mitte und 50 km vom Stadion in Brentford entfernt auf einem Campingplatz. Hier jetzt nochmal Wäsche waschen und das ein und andere vorbereiten für das „Abenteuer“ 5 Tage London.
    Ich freu mich sehr auf das Fußballspiel morgen Abend und bin gespannt wie ich in London mit dem Fahrrad so klar komme.

    Über die Fahrradplattform „warmshowers“ hab ich ab Montag für 3 Nächte eine Bleibe gefunden; um die Nächte davor muß ich mich morgen dann noch kümmern…..

  • Tag 41

    153 km von Market Rasen über Holbeach nach Huntington

    Habe ich eigentlich schon mal erwähnt, daß ich gerne Fahrrad fahre ?
    Und auch sehr gerne mit „Brombtrack“, mit dem ich jetzt auf Tour bin.
    Ich fühl mich wohl auf dem Fahrrad und steige jeden Morgen gerne wieder au, auch wenn es mir ein paar Probleme und Sorgen gemacht hat. Das wollte ich einfach auch mal sagen.
    Heut gibt es nicht viel zu berichten. Es war einfach ein normaler Tag auf dem Rad. Die Etappe war  komplett flach und führte eher langweilig durch ländliches Gebiet und durch kleinere, angenehme Städte. Also auch mit der Orientierung gab es da keinerlei Probleme. Mittlerweile sieht man kaum noch Schafe und Kühe. Hier im Südosten Englands steht eindeutig der Ackerbau (Getreide, Raps, Kartoffeln, Rüben) im Vordergrund und auch an Gemüsefeldern bin ich vorbeigekommen.
    Ich kurbelte die Kilometer runter. Den Wind hatte ich aus allen Richtungen, da ich mittags einen Richtungswechsel machen musste und aus dem Seitrücken- mehr so ein Seitgegenwind wurde. Aber alles im Rahmen.
    Heute hat die EM in Manchester mit dem Eröffnungsspiel der Engländerinnen gegen die Österreicherinnen begonnen. Am Freitag sind dann wir dran. Die Stadien sind ordentlich gefüllt mit Fans. Ich glaube, wir dürfen uns auf eine tolle Europameisterschaft freuen. Und ich habe noch eine Tagesetappe bis zum Stadion in Brentford.

  • Tag 39

    Von Kildale über Grosmont und Scarborough nach Cayton;  88 km

    Da sitz ich nun ziemlich müde mit einem Bierchen an der Steilküste in der herrlichen Abendsonne,  lausche den brechenden Wellen und bewundere einfach diesen grandiosen Ausblick über die Bucht.
    Eigentlich wollte ich ja nochmal ins Wasser und Baden,  deshalb der Entschluß nicht mehr weiter zu radeln und heut Rast beim Campingplatz zu machen, aber nach der heißen Dusche vorhin ist mir jetzt doch nicht mehr danach……

    Das war heut nochmal ein ganz besonderer Radtag durch den North York Moors Nationalpark; zum einen der besonderen Heidelandschaft wegen und zum anderen wegen diesen unfassbar steilen Anstiegen und Abfahrten …so spektakulär hatte ich das jetzt auch noch nie…..bergab schieben bei 33 % Gefälle weil die Bremsen am glühen waren und ich Muffensausen hatte…..(wobei schieben da auch anstrengend und gar nicht so einfach ist mit einem so vollgepackten Drahtesel).
    Es ist ja alles bekanntlich relativ….z.B. würde ich normalerweise schwer schlucken bei einem Anstieg von 17 % ; wenn du aber die ganze Zeit welche zwischen 20 – 25 %  hast, dann denkst du, wenn auf dem Straßenschild 17 %  steht „ah, das geht ja noch“, verrückte Sache….

    Aber es war okay so durch diese charaktervolle Landschaft zu radeln, in der Ferne leuchtete es bisweilen lila vom blühenden Heidekraut, immer wieder kommt man durch nette kleine Orte wie Danby oder Grosmont (mit dem historischen Bahnhof); trifft auf gelangweilte Schafe am Wegesrand und freut sich, daß der Wind heut ein wenig schieben hilft…..nur vom Hafen von Scarborough war ich dann enttäuscht, das ist ein richtiger Rummelplatz und hat wenig Charme wie ich finde.

    Es sind jetzt noch 3 Tagesetappen von hier bis Brentford; müsste also ne Punktlandung geben zum 1.Spiel gegen Dänemark am Freitag.