• Hardy on Tour

    Ein Nachklapp

    Auf der Seite des Fanclub Nationalmannschaft findet sich dieser Artikel über Hartmut Bögel.

    5000-Kilometer-Radtour zur Frauen-EM

    Während unsere DFB-Frauen bei der Europameisterschaft in England um den Titel spielen, findet zeitgleich die Tour de France statt. In 21 Etappen durch vier Länder legen die Fahrer auf ihrem Rad knapp 3500 Kilometer zurück. Wer aber glaubt, dass diese Leistung nicht mehr zu toppen ist, hat die Rechnung ohne unser Fan-Club-Mitglied Hartmut Bögel gemacht. Mehr als 5000 Kilometer legte der 55-Jährige auf seinem Fahrrad zurück, um unsere Nationalmannschaft bei ihren beiden Vorrundenspielen in Brentford zu unterstützen.

    Dafür hat sich Hartmut bereits frühzeitig auf den Weg gemacht: Während die meisten Spielerinnen unseres Teams noch ihren wohlverdienten Urlaub vor der Europameisterschaft genossen, schwang er sich am 27. Mai auf seinen Drahtesel und radelte los. „Von Anfang an war es mein Ziel, zum ersten Spiel unserer Nationalmannschaft gegen Dänemark in Brentford anzukommen“, sagt der Mann aus Ulm. Doch auf seiner Reise musste er einige Hürden überwinden, um sich seinen Traum zu erfüllen.

    Spieltag als größtes Highlight der Reise

    So hatte der 55-Jährige immer wieder mit technischen Schwierigkeiten zu kämpfen. „Mittlerweile ist mir schon die zehnte Speiche krachend gebrochen“, schildert unser Fan-Club-Mitglied. Doch damit nicht genug: In einer Nacht habe er beim Schlafen tierischen Besuch bekommen, ohne es überhaupt zu bemerken. „Am nächsten Morgen lagen meine Sachen wild verteilt auf dem Boden herum. Das nennt man dann wohl gesunden Schlaf“, sagt Hartmut und lacht. Immerhin war sein Deutschland-Trikot unversehrt geblieben.

    Doch allen Widrigkeiten zum Trotz: Innerhalb von sechs Wochen fuhr „Hardy“, wie ihn fast jeder nennt, von der Alb bis nach London. Dabei wählte er jedoch nicht den direkten Weg zum Spiel in Brentford, sondern fuhr zusätzlich noch die bekannte „End-to-End-Tour“ bis an den nordöstlichsten Punkt Schottlands John O’Groats.

    Als wohl größtes Highlight der Reise bezeichnet Hardy aber nicht etwa die legendäre Strecke quer durch Großbritannien oder die Sightseeing-Tour durch London mit dem Fahrrad, sondern den gemeinsamen Tag mit den deutschen Fans beim Auftakt in die Europameisterschaft. „Die Atmosphäre war einfach die ganze Zeit über besonders. Vom Wow-Effekt beim Erreichen des Stadions über die zahlreichen Begegnungen mit anderen Fans bis zum Fußball-Fest unserer Mannschaft am Abend – was für ein toller Tag!“

    Gutes Gefühl wie 2014 in Brasilien

    Es war nicht das erste Mal, dass Hartmut bei einem großen Turnier mit seinem Fahrrad dabei war. Bereits bei den Weltmeisterschafen der Männer 2014 und 2018 radelte er nach Brasilien und Russland, um unser DFB-Team zu unterstützen. „Die Radtouren zu Großereignissen unserer Nationalmannschaften sind für mich die perfekte Möglichkeit, meine beiden größten Leidenschaften zu verbinden: Fußball und Radfahren“, hält Hardy fest. Mit der Weltmeisterschaft 2026 in den USA steht auch bereits das nächste Ziel für den 55-Jährigen fest. „Eine Radtour durch Amerika fehlt noch auf meiner Liste“, lächelt er.

    Doch zunächst heißt es, zeitnah wieder zuhause anzukommen – immerhin will er die Halbfinalspiele und das Finale wieder in der Heimat verfolgen. Dass unsere Mannschaft dann ebenfalls noch um den EM-Titel spielt, ist für unser Fan-Club-Mitglied klar: „Mein gutes Gefühl hat mich schon bei der WM 2014 in Brasilien nicht getäuscht, weshalb ich sehr optimistisch bin, dass unsere Mädels am Ende den Pokal in die Höhe stemmen können.“

    [rd]

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  • Tag 59

    100 km von Oberhomberg über Bad Saulgau und Munderkingen nach Hause auf die Alb

    Was war das für ein schöner Sonntagmorgen nach dem Gewitter und all dem Regen am späten Abend. Die Sonne war gerade am Aufgehen, als ich aus dem Zelt krabbelte und meinen Blick weit über’s verschlafene Deggenhauser Tal schweifen ließ. Heiße Milch, Schwarztee und Himbeerroulade zum Frühstück – besser geht es kaum.
    Doch geht es doch: eine Tasse Kaffee bekomme ich gegenüber meines Zeltplatzes in der ganz neu renovierten Gaststätte „zur Linde“ etwas später dann auch noch spendiert.
    Ein wahrlich guter Start also für meinen letzten Radeltag dieser Tour. Und die Landschaft tat ihr Bestes dazu. Über idyllische ruhige kleine Sträßchen ging es Richtung Bad Saulgau durchs Oberland und weiter über Bad Buchau bis Munderkingen. Beim sehr schönen Badesee in Volkersheim legte ich eine ausgiebige Pause ein und von dort waren es dann noch 35 km bis Wippingen. Vom Blautal hoch die Heusteige wurde nochmal so richtig geschwitzt und zur Belohnung gab’s dann saures Radler und Pommes beim Waldfest vom Schützenverein. Perfektes Timing zum Ankommen also.
    Nach über 6500 km auf dem Fahrrad bin ich wohlbehalten zu Hause angekommen. Wahrhaftig ein Grund, von Herzen dankbar zu sein. Ich durfte mich auch auf dieser Tour „von guten Mächten wunderbar geborgen wissen“ – ein großes Geschenk.
    Um ein bisschen was zurückzugeben werde ich an das Projekt „we give“ hier in Blaustein etwas spenden.
    Um so weit Fahrrad zu fahren, braucht es neben der Ausdauer auch den langen Atem und für das nachhaltige Ausbildungsprojekt, das „we give“ in Ghana aufbaut, braucht es davon noch viel viel mehr und dieses Engagement bewundere ich sehr.

    Danke möchte ich auch Allen sagen, die meine Tour möglich gemacht und mich unterstützt haben. Danke für all die reichlichen Begegnungen unterwegs und Danke an Alle, die mich auf diesem Blog hier begleitet haben.
    Zu guter Letzt ein besonderes Dankeschön an Samy, der diesen Blog erst möglich gemacht und ihn täglich gepflegt hat.
    Alles Gute wünscht
    Hardy

  • Tag 58

    84 km von kurz hinter Blumberg über Hilzingen und Singen nach Konstanz und am Abend noch nach Oberhomberg im Deggenhausertal

    Ich sitze im Gewitterregen unter dem  Lindenbaum bei der kleinen Kirche in Oberhomberg, ein kleines Dörfchen oberhalb vom Deggenhausertal. Der Baum schenkt so leidlich Schutz vorm Regen, der mich völlig überrascht hat. Das Zelt steht unweit auf einem Grillplatz. Auch das im Gewitter beim letzten Licht der Dämmerung noch hastig aufgebaut und eh noch naß vom Regen in der Frühe. Aber was soll’s, es ist nicht kalt und zudem mein letzter Abend auf Tour und der darf schließlich auch irgendwie ganz besonders sein, um einen würdigen Rahmen meiner Reise zu bieten.
    Mein Tag war ganz besonders und doch schnell erzählt. Den Gewitterregen am frühen Morgen im Zelt abgewartet und dann bei fast mystischer Stimmung durch den Nebelregendunst nach Hilzingen geradelt, wo ich bei Gaby und Joachim (Jonas Großeltern väterlicher Seite aus) zum spontanen Frühstück empfangen wurde. Von dort dann noch 35 km bis nach Konstanz um Jule und Enkelchen Jona zu besuchen (Phil hatte leider Dienste) und mich verwöhnen zu lassen, mit allem was ich so besonders mag: Fetakäse und Salat, Oliven und Hirtenschmaus, dazu Erdbeeren und Jules schon legendäre Bisquitrolle, diesmal mit Himbeeren gefüllt.
    Es war schon auch ein besonderer Moment Jona nach über 2 Monaten wieder zu sehn. Schön, einfach den Tag zusammen zu verbringen. Danke.
    Am Abend wollte ich dann noch unbedingt den Anstieg hoch im Deggenhausertal hinter mich bringen. 2 km bei meist 15 % Steigung geht’s da hinauf und ich kam nochmal so richtig in’s Schwitzen und kämpfte mich im Wiegeschritt bergauf. Tja und dann kam das Gewitter und zugleich der schöne Platz in dem abgelegenen Örtchen Oberhomberg, wo es neben Grillplatz und Kirchlein auch eine gute Gaststätte gibt, die noch ein wohlverdientes Bierchen für mich hatte, das ich nun unterm Lindenbaum im strömenden Gewitterregen ziemlich durchnässt und ein bisschen in sentimentaler Stimmung genieße. Morgen noch um die 100 km bis Wippingen.

  • Tag 57


    97 km und 1450 HM von Freiburg über Hinterzarten, Titisee und Schluchsee nach kurz hinter Blumberg

    Nach ausgiebigem Frühstück am späten Vormittag bei Lisa losgeradelt. Das Navi wollte mich auf die Bundesstraße durch’s Höllental führen (ich hab Rennradmodus eingestellt bei der Tourplanung), aber das wollte ich mir dann doch nicht antun und bin schließlich einfach der Radbeschilderung nach Titisee gefolgt. Gute Entscheidung; denn die Route war völlig verkehrsarm und landschaftlich natürlich sehr sehr schön.
    Aber echt auch anstrengend. Der Anstieg von Oberied nach Hinterzarten hoch mit durchgängig 9 – 11 % Steigung. Da waren die müden Vogesen-Beine nochmal tüchtig gefordert und genossen wenig später dann das erfrischende und wohlverdiente  Bad, im immer wieder schönen Titisee. Dort dann die Zeit verbummelt bevor es weiterging zum nächsten See, dem Schluchsee.
    Im so lieblichen Abendlicht schließlich noch im Auf und Ab der Straße  bis hinter Blumberg gestrampelt und den Blick auf die Hegauberge gerichtet Das Zelt am Ufer des Flüßchens Biber aufgestellt. Ob ich wohl einen zu sehen bekomme????

  • Tag 56


    148 km und 1600 HM von Bruyeres über den Col du Grand Ballon und Hartmannswillerkopf  nach Freiburg

    Ziemlich geschafft, doch sehr erfüllt heut Abend in Freiburg bei Lisa angekommen. Ich darf auf einen richtig schönen Radtag zurückblicken. Durfte staunend die weiten  Ausblicke von den Höhen der Vogesen auf der „Route des Cretes“ erleben. Davor ein herrlich wohltuendes Bad im Lac de Longemer nehmen und beim Bäcker Drive In genüsslich frühstücken nach einer feuchten Nacht mit allerlei Nacktschnecken am und erfreulicherweise nicht im  Zelt.
    Mein Weg führte mich bewusst zum Hartmannswillerkopf und zu der eindrucksvollen Gedenkstätte mit dem neu gestalteten Museum dort. Es wurde als deutsch-französisches Projekt 2017 von den Präsidenten Macron und Steinmeier der Öffentlichkeit übergeben und dokumentiert durchaus nachfühlbar die Schrecken dieses grausamen Stellungskrieges im 1. Weltkrieg, bei dem tausende junge Soldaten ihr Leben grausamst im Granathagel verloren haben.
    Nach dieser schweren Kost tat die rauschende Abfahrt hinunter ins Elsaß so richtig gut und die flachen 76 km über Fessenheim nach Freiburg schaffte ich mit einer ausgiebigen Trinkpause dann vollends auf der vorvorletzten Rille ganz ordentlich.
    Ja es war ein gutes Gefühl, als ich über die Rheinbrücke radelte und wieder in Deutschland eintraf. Schon so ein bisschen wie heimkommen und das hatte ich dann erst recht in Freiburg und vollends bei Lisa, wo Hirsesalat und Schokopudding auf mich warteten.
    Und das Fußball Viertelfinale.

  • Tag 55


    162 km von Woimbey über Toul und Charmes nach Bruyeres

    Die Gewitterwolken hängen über den Vogesen und ich bin deshalb in Bruyeres hängengeblieben. Ich wollte eigentlich noch bisschen weiterradeln, um es dann morgen einfacher zu haben, aber im Gewitterregen bei Blitz und Donner keine gute Idee. Auch hier lechzt alles nach Regen und wenn er so wie jetzt runterkommt, ohne Schaden anzurichten, werden alle froh und dankbar sein.
    Meine Erkenntnis heute: es gibt tatsächlich ausgleichende Radelgerechtigkeit. Ich hatte heute leichten Rückenwind und bei angenehmen 28 Grad war es zwar um die 10 Grad kühler als gestern, dafür um Längen angenehmer. Zudem war die Strecke recht flach. So ging es fast 50 km dem Moselkanal entlang und das auf allerbestem Geläuf, sprich feinem Teer. So kam ich also doch flott vorwärts, trotz meinen schweren Beinen von der Überanstrengung gestern.
    Und wieder haderte ich etwas mit der dünnen Nahversorgung in den kleinen Ortschaften. Der Ort, den ich  mir zur großen Rast ausgesucht hatte (Vaxoncourt) war komplett ohne Laden oder Gaststätte und ich darbte fast 30 km bis endlich etwas kam. Dann aber gleich das ganze Programm, also alle Supermärkte von Intermarche bis Aldi und Lidl.
    Morgen geht es weiter über den Hartmannswillerkopf zu meiner Tochter Lisa nach Freiburg. Meine Tour neigt sich allmählich ihrem Ende entgegen und ich hab seit zwei Tagen keinen Stress mehr mit dem Hinterrad.

  • Tag 54


    158 km von Vencimont in den Ardennen über Sedan und Verdun nach Woimbey

    Radfahren, so heisst es ja, sei gesund.
    Mein Radtag heute geht definitiv nicht als gesundheitsfördernde Betätigung durch und dies lag an den Elementen Hitze und Wind. Die 37 Grad allein waren ja schon heftig genug, aber den Gegenwind dazu hätte es echt nicht gebraucht. Hab mich ziemlich platt gestrampelt heute und hoffe, ich bin morgen wieder radtauglich munter. Und ich hab schlecht geplant, da ich nicht dran gedacht hatte, daß die Geschäfte über Mittag geschlossen haben und so ging mir das Wasser aus und das war richtig übel.
    Wie wertvoll Wasser ist, schätzt man besonders dann wenn man keines hat. Diese Erfahrung durfte ich heute machen. Um die Mittagszeit war es heut überall wie ausgestorben, niemand zu sehen in den Dörfern, Roll- und Fensterläden der Häuser dicht. Meine „Rettung“ war schließlich der Wasserhahn im Friedhof und ich war echt glücklich als ich den entdeckte und noch mehr als auch tatsächlich herrlich kühles Wasser aus dem Hahn kam.
    Immer sehr bewegend ist es, die Soldatengräber rund um Verdun zu sehen. Ich war schon mal mit Freunden hierhergeradelt und wir hatten uns damals das eindrucksvolle Museum und das ganze Gelände drumherum angeschaut. Kann ich jedem nahelegen. Es macht den unfassbaren Schrecken dieses Krieges damals deutlich und wenn man an die Situation in der Ukraine dabei denkt und weiß, daß auch heute wieder Menschen dort gestorben sind, dann ist das nur unsagbar traurig und man begreift nicht, warum sowas immer wieder geschieht.
    Mich erfüllt es mit Dankbarkeit, daß unsere Völker, die sich vor 100 Jahren hier so brutal  niedergemetzelt haben, es geschafft haben, sich zu versöhnen und darüberhinaus ein gemeinsames Europa geschaffen haben. Nur so kann die Zukunft funktionieren. Es lohnt sich.

  • Tag 53

    98 km von Charleroi in die Ardennen

    In der Nacht werde ich um halb zwei durch Rascheln an der Zeltplane und „Hello Hello“ Rufe geweckt. Schlaftrunken mache ich den Reißverschluß vom Zelt auf und erkenne ohne Brille schemenhaft 6 oder 7 Menschen vor meinem Zelt und teile ihnen mit: „I am sleeping“. Es sind wohl die MitarbeiterInnen von McDonald’s, die jetzt Feierabend machen.
    „You can not stay here“, sagt eine junge Stimme mehrmals, offenbar die Einzigste die Englisch kann und deshalb als Sprecherin bestimmt wurde. Ich erkläre, wer ich bin und das ich Probleme mit dem Rad habe und bevor ich das Zelt aufgeschlagen hatte, den ganzen Rastplatz (der zum McDonald’s Gelände gehört) aufgeräumt hatte und jetzt einfach schlafen wolle und morgen früh um 7 Uhr dann eh wieder weg wäre.
    Nach kurzem Beratungsgespräch auf französisch höre ich ein einvernehmliches „okay“ und die freundliche Kunde „you can stay-good night“ und weg waren sie und ich schlafe augenblicklich weiter.
    Am Morgen radle ich aufgeregt zum 1. Fahrradladen auf meiner Liste, wo ich leider kein Glück hatte. Aber dafür einen Tipp, wo ich vielleicht mehr Glück hätte. A,lso dorthin geradelt und mit anderen Kunden bange vor der Tür gewartet bis der Laden öffnete.
    Es war ein echt großes Geschäft mit etlichen Mitarbeitern und der Chef sperrte selber auf und ich hatte gleich als ich ihn sah ein gutes Gefühl. Er war mega bemüht um mich und das obwohl der Laden gleich mit Kunden voll war und ich sicherlich alles andere als wie gerufen am Montagmorgen war. Im Laden hatten sie kein passendes Rad. Aber evt. im Lager. So radelte der Ladeninhaber dorthin und kam tatsächlich mit einem Hinterrad zurück. Es müsste passen, sei nicht ideal, da eine 29-er MTB Felge, aber besser als keine. Dem pflichtete ich freudestrahlend zu und so kam ich tatsächlich zu einem neuen Hinterrad – WOW und viiiielen Dank !!!!
    Zu Charleroi sei noch gesagt, daß ich gestern wohl wirklich von der unschönsten Seite hineingeradelt kam und es auch ganz „normale“ Viertel hier gibt und vorallem super Fahrradläden mit mega netten Menschen.
    Nun konnte es also in der Mittagshitze frohen Mutes weitergehn, wie ursprünglich geplant, halt auf einem kleinen Umweg nun,  über Verdun und die Vogesen nach Freiburg.
    Die Hitze forderte doch einige Schattenpäuschen mehr wie geplant und eine ganz besondere in dem Örtchen St Remy Rosee; dort war ersichtlich ein historisches Fest im Gange und ich mischte mich unter die Festgemeinde und fand zumindest heraus, daß es irgendwas mit Napoleon zu tun hat. Werd ich mal googeln später. Jedenfalls durfte ich dort feststellen, daß die Pommes tatsächlich nirgends besser schmecken als in Belgien.
    Tja und am Abend dann tatsächlich noch einen Platten. Als ich in der friedlichen Abenstimmung so völlig entspannt und zufrieden mit meinem Dasein meines Weges radelte……“das darf jetzt echt nicht wahr sein…“, dachte ich noch als ich spürte, daß der mittlerweile ja schon legendäre Hinterreifen anfing teigig zu rollen. Manchmal braucht man schon echt starke Nerven auf so einer Tour.

  • Tag 52

    84 km von Hirson bis Charleroi

    Nein nein, also ich hab wahrhaftig keinen Grund mich zu beklagen.
    Da sitze ich hier in der Taverne von der Klosteranlage „Abbaye d‘ Aulne“ bei feinem Käse und noch feinerem Bier und blicke auf einen Sonntag, der völlig anders war wie ich das gestern Abend mir so vorgestellt hatte.
    Da war nämlich der konfuse Plan gereift, zu versuchen nach Luxemburg zu kommen, um dort nach einem neuen Hinterrad zu schauen….das wäre 180 km und viele viele Höhenmeter gewesen. Und wie so oft war es auch bei dieser Entscheidung gut, nochmal ne Nacht drüber zu schlafen. Heut morgen nämlich fand ich den Plan doch sehr wagemütig und ich checkte nochmal in aller Ruhe und mit etwas mehr Besonnenheit die Lage und  „entdeckte “ dann das eigentlich Naheliegenste und das war die Stadt Charleroi in Belgien, nur ca. 65 km entfernt und zudem mit wenig Höhenmetern und immerhin 3 Radläden, die auch am Montag geöffnet haben (sagt zumindest Google). Also Strecke neu ins Navi eingegeben und es konnte losgehen.
    Auf der Suche nach einem Sonntagmorgenkaffee kam ich an 3 Bäckereien vorbei. Kaffee bekam ich keinen dort, aber dafür jedesmal leckerste süße Stückchen. Ein kulinarisches Träumchen jedes für sich.
    Tja und dann gestaltete sich dieser „verloren“ gedachte Sonntag weiter als wahrer Prachtstag. Die Route führte mich 25 km auf einer ehemaligen Bahntrasse nach Thuin (dort traf ich Andreas aus Brüssel, der mich zum Kuchen einlud) und von dort ebenso schön 22 km dem kurvenreichen Flüsschen Sambre entlang und vorbei am ehemaligen Kloster „Abbaye d‘ Aulne“, heute begehrtes Ausflugsziel und echt eindrucksvoll. Und das Bier dort ist eine Wucht und weit über das Kloster hinaus bekannt und begehrt.
    Bis hierher also ein prächtiger, klassischer Ausflugssonntag von dem ich gestern nicht mal zu träumen wagte.
    Und jetzt 3 Stunden später bin ich in Charleroi, der drittgrößten Stadt in Belgien und bin voll überfordert von dem Kontrast zu dem idyllischen Nachmittag. Was für eine Stadt, Industriestadt, Industrieruinen, viel Müll, Baustellen. Aber dann auch wieder moderne und gepflegte Ecken. Echt krass und zudem blühen überall meist kleine Fliederbüsche, die sich wohl selber ausgesät und ausgebreitet haben. Okay, also hier ruht die Hoffnung auf ein passendes Hinterrad. War ich heut Nachmittag vorsichtig optimistisch, bin ich jetzt doch deutlich skeptischer. Das wird sicherlich auch noch spannend mit dem Übernachtungsplatz hier.
    Das Leben bietet so allerlei Erstaunliches.

  • Tag 51

    135 km von Armentieres über Lille und Valenciennes nach Hirson

    Bis 17:55 Uhr war meine Welt schwer in Ordnung. Ich kurbelte recht munter durch die Landschaft und fand es einfach schön. Nicht zu heiß, leichter Wind, sehr gute Straßen und in den Städten immer prima Radwege, wenig Verkehr. Selbst in Lille war es total entspannt auf dem Rad und ich konnte meine Blicke schweifen lassen. So feine Backwaren und das Baguette schmeckt nirgends so gut wie eben in Frankreich. Auch das Angebot an frischem Obst ist überragend und von allerbester Güte. Frankreich ist da schon besonders, was feines Essen anbelangt. Nur verstehen tu ich halt leider gar nix. Mein Wortschaft begrenzt sich auf „Mercie & Pardon“ und auf „bonne journée & Au revoir“.
    Die Franzosen sind mega freundlich zu mir und es klappt prima beim Einkaufen und kurzem gestenreichen Smalltalk. Aber das war es dann auch.
    So kurbelte ich also durch die leicht wellige Landschaft ohne groß Spektakuläres zu erleben und war mit mir und der Welt ganz zufrieden,
    bis eben 17:55 Uhr.
    Was dann passierte ist allen ja eh klar. Speiche Nr. 11 ist gebrochen und das Hinterrad blöderweise völlig unrund, sodass der Reifen am Schutzblech schleift. Ich hab vergeblich versucht das zu reparieren und Samstagabend ist natürlich kein Radladen mehr geöffnet, wo Hilfe zu haben wäre.
    Hab die Felge jetzt so hingekriegt, dass das Rad nicht mehr schleift und hab es bis Hirson (mein geplantes Tagesziel) geschafft.
    Diesmal bedurfte es zwei Frustdosenbiere und immer noch bin ich unschlüssig, was ich tun werde morgen. Sitze bei einem Cappuccino bei Mc Donald wegen des Wi-Fi’s und versuche die Lage zu checken. Ich brauche ein neues Hinterrad, alles andere macht einfach keinen Sinn. Ich ärgere mich auch über mich selber, da ich dies eigentlich schon in London gedacht hab und dort hätte ich Zeit und Angebot gehabt. Naja, hinterher ist man halt oft schlauer. Letztlich ist es ja auch nur ein Hinterrad, es gibt wahrlich weitreichendere Probleme als dies.
    Klar, es ist echt nervig und nimmt viel zu viel Raum ein auf dieser Reise, aber ich hab weiß Gott keinen Grund mich zu beklagen. Ich muß nur eine Entscheidung treffen, wie es morgen weitergehen soll und schlaf nun am besten mal drüber, wenn ich jetzt dann einen Zeltplatz irgendwo hier gefunden habe.