• Tag 39

    88 km von Kildale über Grosmont und Scarborough nach Cayton

    Da sitz ich nun ziemlich müde mit einem Bierchen an der Steilküste in der herrlichen Abendsonne,  lausche den brechenden Wellen und bewundere einfach diesen grandiosen Ausblick über die Bucht.
    Eigentlich wollte ich ja nochmal ins Wasser und baden,  deshalb der Entschluß nicht mehr weiter zu radeln und heute Rast beim Campingplatz zu machen, aber nach der heißen Dusche vorhin ist mir jetzt doch nicht mehr danach.
    Das war heut nochmal ein ganz besonderer Radtag durch den North York Moors Nationalpark. Zum einen der besonderen Heidelandschaft wegen und zum anderen wegen diesen unfassbar steilen Anstiegen und Abfahrten. So spektakulär hatte ich das jetzt auch noch nie. Bergab schieben bei 33 % Gefälle weil die Bremsen am glühen waren und ich Muffensausen hatte. Wobei schieben da auch anstrengend und gar nicht so einfach ist, mit einem so vollgepackten Drahtesel.
    Es ist ja alles bekanntlich relativ. Z.B. würde ich normalerweise schwer schlucken bei einem Anstieg von 17 %, wenn du aber die ganze Zeit welche zwischen 20 – 25 %  hast, dann denkst du, wenn auf dem Straßenschild 17 %  steht: „ah, das geht ja noch“. Verrückte Sache.
    Aber es war okay so durch diese charaktervolle Landschaft zu radeln. In der Ferne leuchtete es bisweilen lila vom blühenden Heidekraut. Immer wieder kommt man durch nette kleine Orte wie Danby oder Grosmont (mit dem historischen Bahnhof); trifft auf gelangweilte Schafe am Wegesrand und freut sich, daß der Wind heut ein wenig schieben hilft. Nur vom Hafen von Scarborough war ich dann enttäuscht. Das ist ein richtiger Rummelplatz und hat wenig Charme, wie ich finde.
    Es sind jetzt noch 3 Tagesetappen von hier bis Brentford. Es müsste also ne Punktlandung geben zum 1.Spiel gegen Dänemark am Freitag.

  • Tag 38

    106 km von South Shields über Newcastle und Middlesbrough nach Kildale

    Ein prächtiger Morgen, ein sehr bescheidener Mittag und ein versöhnlicher Abend, so lässt sich mein Sonntag kurz und knapp beschreiben.
    Der Tag startete verheißungsvoll mit frohem Sonnenschein und es war gleich richtig warm. Die Strecke verlief weiter eng der Küste entlang und bot herrliche Ausblicke. Der frühe Sonntagmorgen hat dazu einfach auch eine ganz besondere Stimmung. Unterwegs mit mir viele Rennradler, einige Jogger und vor allem Hunde, Hunde, Hunde samt ihren BesitzerInnen natürlich.
    „Ob ich heut wohl nochmal eine bessere Gelegentlich zum Baden bekommen werde“, überlegte ich am Strand von Seaburn, packte die Badehose aus und gönnte mir ein morgendliches erquickendes Nordseebad. Und bei dürftigen 14 Grad Wassertemperatur braucht sich auch niemand Sorgen zumachen, daß man arg weit hinausschwimmt. Hinterher ein warmer Kaffee, so darf es weitergehen.
    Tat es aber nicht. Erst verfranzte ich mich zigmal in Sunderland und Newcastle. Dann setzte die Beschilderung vom Radweg komplett aus, wegen Sanierungsarbeiten und zu allem Überfluß führte mein Navi mich auf Wanderpfaden völlig auf Irrwege, bis es dann gar nicht mehr weiterging und ich die ganze dämliche Strecke wieder zurückradeln musste. Daß es schließlich noch tüchtig zu regnen anfing, war ja fast schon klar und passte wie Topf auf Deckel. Mein Rad samt Taschen und mir nun das zweite Mal komplett versaut. Dann auf einer eigentlich schönen Strecke entlang einer stillgelegten Eisenbahnlinie. Eine Putzaktion an der Tanke war also auch noch angesagt.
    Am Abend klarte sich der Himmel wieder auf und die Sonne zeigte sich wieder und mit Verlassen von der Stadt Middlesbrough in Richtung North York Moors National Park  wurde es wieder mehr und mehr ländlicher und ruhiger. Mein Navi fand sich auch wieder besser zurecht und ich konnte noch ein paar Kilometer mit Genuß vor mich hinradeln bis es an der Zeit war nach einem Zeltplatz Ausschau zu halten.
    Und den fand ich schließlich im wirklich kleinen Dörfchen Kildale. Dort gibt es tatsächlich einen kleinen Bahnhof. Außerhalb gelegen, genauso wie das Kirchlein mit den alten Grabsteinen gegenüber und dabei ein Bänkchen und ein Stückchen Gras, grad soviel dass mein Zelt draufpasst und im rustikalen, sauberen Toilettenhäusle daneben gibt’s Wasser und es ist offen (meist sind die nämlich ab 20:00 Uhr verschlossen). Ich hör die Schafe blöken, die Raben krähen und die Tauben gurren und bin ansonsten völlig ungestört hier. Fast schon heimelig. Ein wirklich versöhnlicher Abschluss mit diesem Sonntag.

  • Tag 37


    126 km von Belford über Amble und Blyth nach South Shields

    Heute habe ich mich mit dem englischen Nordseeküstenradweg versöhnt und wir vertragen uns wieder und ich werde nicht jammern und meckern über ihn.
    Richtig klasse war das, was ich heut geboten bekam. Ein Tag am Meer sozusagen, weil die Route auf gut radelbaren Wegen, ganz nah an der Küste entlangführte. Dazu die Schloßruine in Warkworth und gleich am Morgen die riesige Burgfestung in Bamburgh.
    Gebadet hab ich in der Druridge Bay an dem herrlich weiten Sandstrand und das war sehr erfrischend.
    Am Abend wollte ich unbedingt noch die Fähre von Nord- rüber nach Southshields kriegen, weil am Sonntag die Erste erst gegen 11:00 Uhr fährt und ich nicht recht wusste, ob ich mit dem Fahrrad alternativ durch den Tunnel, der unter dem Fluß Tyne hindurchführt, fahren darf. Da musste ich dann noch bisschen stramm in die Pedale steigen und so hat es dann auch gereicht. Bezahlen musste ich die Überfahrt übrigens nicht;. Das haben zwei Brüder übernommen, die ich an der Fähre getroffen hab und mit denen ich etwas ins Plaudern kam. Danke !!!
    Jetzt weiß ich auch, dass es extra einen Tunnel für Radfahrer und Fußgänger gibt. 12 m unterm Fluß und 270 m lang, eröffnet bereits 1951 und man kommt mit einem Aufzug dorthin. Sachen gibt’s

  • Tag 36

    96 km von Newton St. Boswells über Kelso und Berwick upon Tweed nach Belford

    Der erste Regentag. Den ganzen Tag über war es heut mal mehr mal weniger naß und dementsprechend war auch die Radlerei nicht so erquickend.
    Ich machte laaaange Pause in Berwick und versuchte eine passende Unterkunft für Brentford über’s Handy zu finden. Noch nicht erfolgreich, aber zumindest denke ich, daß es klappen wird, was bezahlbares zu finden.
    Am Morgen in Keslo das ehemalige Kloster angeschaut. In der Umgebung gibt es drei weitere davon und sie waren wohl recht richtungsweisend, was die schottische Kirchengeschichte anbelangt. Heute führt ein Radrundweg zu allen Klosteranlagen und die werden sehr gepflegt. Dasselbe gilt natürlich auch für die unzähligen Schlösser. Unglaublich wieviel historische Gemäuer es hier zu begutachten gäbe.
    Doch den Radler zieht es ja weiter. Mittlerweile bin ich wieder in England gelandet und dies, ohne es zu bemerken. Schottland wird mir in sehr sehr guter Erinnerung bleiben und ich kann den schottischen Teil vom Nordseeküstenradweg definitiv empfehlen.
    Der englische Abschnitt empfing mich erstmal mit Frusterlebnissen. Die ersten Kilometer von Berwick aus waren eine mittlere  Katastrophe. Erst ein holpriger grober Schotterweg, dann ein matschiger Weg durch die Kuhweide voller Kuhfladen und schließlich ein schlechterer Wanderpfad voller Rillen und Pfützen. Wer um aller Welt deklariert sowas als Fernradweg ??? Unbegreiflich, so schön so ein Küstenpfad auch noch so sein mag. Mein Rad jedenfalls kam gleich mal an der nächsten Tanke in die Selbst-Waschanlage und ich war ziemlich verunsichert, ob es denn eine gute Idee war dem Küstenweg weiter zu folgen, wobei es auch keine großen Alternativen jetzt mehr gibt. Nunja;, vielleicht bleiben das jetzt auch die einzigsten Matschpfade, wo das Fahrrad doch grade so sauber ist.
    Es gab natürlich auch heute nette Erlebnisse und Begegnungen. Etwa ein längeres Gespräch mit David, dem Gärtner aus Keslo, der sich auf das Brian Adams Konzert im dortigen Schlossgarten freut, oder mit dem jungen Mann, der beharrlich am völlig einsamen Strand in seinem Eiswagen ausharrte, um bereit zu sein, falls doch noch irgendwer vorbeikommen sollte. Mir war heut leider so gar nicht nach Eis an diesem Regentag.

  • Tag35


    120 km von Kirkliston über Edinburgh und Innerleithen nach Newton St. Boswells

    Was für ein abwechslungsreicher Tag. Cappuccino in Edinburgh, Schokolade auf  Brot in Dalkeith, 3 Kugeln Eis in Innerleithen, Joghurt in Galashhiels und zum Schluß Baguette mit Hummus in Melrose und ich hab mich wohl noch nie auf dieser Tour so oft verradelt wie heute, aber das sei nur nebenbei erwähnt.
    Edinburgh ist schön und wuchtig und so reich an Geschichte und prächtiger Bauten. Man sollte hier ein paar Tage verweilen und sich der Stadt gebührend widmen und nicht nur ziellos durchradeln und spazieren so wie ich heute. Aber so ist es nun mal und für ein paar Eindrücke hat es immerhin gereicht.
    Nach dem überreichen, pulsierenden Leben der Großstadt ging es nach und nach in die Hügellandschaft, der einsamsten Gegend im Süden Schottlands. Nur verstreut besiedelt mit ein paar Farmen. Karge, steinige Weidelandschaft mit wenigen Schafherden, dafür mit herrlichen Blicken bis an die Küste hinüber. Und mit einigen Anstiegen, die durchaus den Puls und die Atmung auf Trab hielten. Eine beliebte Gegend für Rennradfreaks ist das hier.
    Und als diese 40 km bewältigt ware,n änderte sich die Szenerie wieder. Schöne kleine Städtchen, durch die es Freude macht hindurch zu bummeln und eine sehr liebliche Landschaft und wellige Radstrecke entlang vom Fluß Tweed. So schön: rechts die Schafe, links die Kühe, ein paar Pferde, dazu der plätschernde Fluß, Sonne von oben und ein fast perfekter Radweg abseits der Straße, also absolut autofrei.
    Ich sagte ja, es war ein sehr sehr abwechslungsreicher Tag auf einem wunderbar ruhig rollenden Fahrrad.
    Mein Zeltplatz steht auf einer Wiese in der Nähe eines Eselhofes und das Blöken der Schaflämmer auf der Nachbarwiese wird mich jetzt dann gleich sanft in den Schlaf wiegen.

  • Tag 34

    131 km von Tayport über St.Andrews und Dunfermline nach Kirkliston

    Den Regen des Morgens hab ich im schützenden Zelt vollends abgewartet und bin, von einem heftigen Regenschauer mittags mal abgesehen, dann tatsächlich trocken durch diesen somit angenehmen Radtag gekommen.
    Gleich hinter Tayport ist ein großes Waldgebiet und da ging es gute 10 km auf festem Untergrund und umgeben von Farnen und großen Kiefer- und Buchenbäumen einsam lang. Ein Sturm hat hier vor nicht allzu langer Zeit sein Unwesen getrieben und viele Bäume entwurzelt zurückgelassen.
    Mein erstes Etappenziel war die sehenswerte Stadt St. Andrews, zum einen das Mekka des Golfsports (hier wird seit dem 15.Jahrhundert Golf gespielt) und zum anderen hat in dieser Stadt Prinz William Geografie studiert und seine Frau Kate kennen- und liebengelernt. Der Rundgang durch die Stadt und zur Schlossruine an der Küste haben sich jedenfalls gelohnt.
    Weiter ging es auf ruhigen, teils fast schon einsamen Wegen weiter zum eindrucksvollen, denkmalgeschützten Ort „Falkland“. Dort im weiten Schloßgarten kann auch der älteste Tennisplatz von Great Britain bestaunt werden. Übrigens sind die britischen Falklandinseln zu Ehren eines schottischen Adeligen aus dem Ort benannnt.
    Am späten Nachmittag kam ich ganz zufrieden mit mir und der Welt bei Kinross am Loch Leven vorbei. In der Mitte des Sees ist eine Insel und dort wurde Maria Stuart festgehalten.
    War es beim Hochradeln nach John o Groats die Morgensonne, die mich begrüßte, so war es nun die Abendsonne, die die so unglaublich eindrucksvolle Brücke bei Queensferry in ein besonderes Licht tauchte und einen Platz zum Campen musste ich ja auch nicht suchen. Schließlich habe ich hier in Kirkliston schon einmal mein Zelt auf die nun vertraute Wiese bei der Stadthalle gesetzt.

  • Tag 33

    105 km von Stonehaven über Montrose und Dundee nach Tayport

    Böiger Gegenwind und ein müder Radfahrer mit schweren Beinen sind keine erquickende Kombination und so gestaltete sich vorallem meinen Vormittag recht recht mühsam und ich kam nur sehr langsam vorwärts.
    Die spektakulären Ruinen vom berühmten Castel of  Dunnottar, in denen einst angeblich die schottischen Kronjuwelen versteckt waren, weil die Schloßanlage dank ihrer Lage als uneinnehmbar galt, hab ich mir zumindest von außen, verbunden  mit einem kleinen Spaziergang, staunend angeschaut.
    Die Kulisse mit der Steilküste ist echt dramatisch und verstärkt wird all das vom markanten Geschrei und von den eleganten Flugkünsten der zahlreichen Möwen dort. Toller Ort !!
    Bis Montrose schleppte ich mich -ständig am Gähnen-  durch, dann brauchte ich einfach eine Pause und die dauerte sehr lange, da es zudem auch anfing zu regnen.
    Ich geh ganz gern zu den großen Tesco Supermärkten ins Cafe. Dort hat es großzügige Sanitäranlagen, super Wi-Fi  und ich kann dort auch meist das Handy aufladen und so lange rumsitzen wie ich will.
    So wurde es Nachmittag, bis ich wieder auf das Rad kletterte. Nun zwar nicht gerade putzmunter, aber doch nicht mehr gar so müde. Zudem war der Wind abgeflaut und die Route führte, bei immer mal wieder leicht einsetzendem Regen, ganz nah an der Küste entlang. In Arbroath dann meine Fish & Chips Premiere, bevor es von Dundee auf der über 2 km langen Brücke rüber nach Tayport ging. Eine Brücke mit einem Aufzug für Radfahrer. Auch nochmal ein recht spannendes Erlebnis.
    Das Zelt hab ich grade noch so vorm großen Regen im Park von Tayport, einen Steinwurf weg vom Meer, aufgebaut bekommen und fühle mich darin mittlerweile fast wie zu Hause.

  • Tag 32


    106 km von Maud über Aberdeen nach Stonehaven

    Am Morgen hab ich es tatsächlich geschafft, mich nach 2 km so zu verradeln, daß mir dies einen Umweg von satten 8 km eingebrockt hat, weil ich einen Wegweiser vom Nordseeküstenradweg falsch interpretiert hab. Super Start schon mal.
    Die Strecke ging auch heute ruhig und beschaulich hügelig übers Land. Unglaublich wieviele Kühe es hier gibt. Auch an einer großen Schweineweide bin ich vorbeigekommen und muß sagen: Kuh riecht eindeutig besser.
    Je weiter südlich man kommt, umso mehr Ackerland ist zu sehen. Gerste und Weizen vorallem, auch Raps und Kartoffeln, aber die Weidefläche dominiert eindeutig.
    Immer wieder führt der Radweg auch auf stillgelegten Eisenbahnlinien entlang. Immer ein besonderer Radelgenuß.
    Je näher ich mich Aberdeen näherte, desto trödeliger wurde ich, obwohl ich eigentlich ja so früh wie möglich dort sein wollte, um mich um die Felge kümmern zu können.
    Es war so bisschen wie zur Schulzeit am Tag, wenn man die verkorkste Klassenarbeit rausbekommen hat. Man versucht den Zeitpunkt so weit wie irgend möglich wie Kaugummi in die Länge zu ziehen, wohlwissend es ändert nichts am Ergebnis.
    Irgendwann um die Mittagszeit war ich dann angekommen und das erwartete Verkehrswirrwarr blieb überraschend aus. Ich kam und fand gut in die Stadtmitte, wo der Radladen sein sollte, für den ich mich ohne besonderen Grund entschieden hatte, als ich danach gegoogelt hatte. Ich war auf alles mögliche vorbereitet, aber wahrlich nicht auf das was da kommen sollte:
    Der junge Monteur in dem recht modernen Laden hörte sich in aller Selenruhe den aufgeregten, englisch kauderwelschenden deutschen Radfahrer an, meinte „I will have a look“, verschwand für 10 Minuten und kam dann tatsächlich mit einer eingespeichten Felge zurück und erklärte, die könne ich haben. Wow, das war ja schon mal überraschend positiv. Er würde sie mir auch gleich montieren und „Nein“ ich bräuchte nichts weiter helfen. Das war jetzt schon mehr als nur positiv und nach einer guten halben Stunde war der Zahnkranz und die Bremsscheibe an die neue Felge geschraubt und das Hinterrad eingebaut und die Bremsen nachjustiert und die Gangschaltung optimiert, kurzum das Fahrrad fertig.
    Als ich dann bezahlen wollte sagte der junge Mann, als ob dies das Selbstverständlichste wäre von der Welt „it’s okay“, „is free“. ich schaute ihn ziemlich fassungslos an und er verdeutlichte „zero“, und „it’s a gift from Scotland to you“. Also so perplex war ich selten oder noch nie. Ich konnte nur mich herzlichst bedanken und er wünschte mir noch eine schöne Reise. Hey Hallo, kann mich mal jemand bitte kneifen. Hab ich das grade wirklich erlebt ????
    Ziemlich verwirrt ob diesem Verlauf schob ich dann mein Fahrrad mit der neuen Felge behutsam durch die Start. Ich traute mich erst gar nicht damit zu fahren, warum auch immer.
    Vor dem markanten Museum Tolbooth erklang Dudelsackmusik, dorthin ging ich und lauschte dieser so charakteristischen Musik und war einfach ergriffen von der Musik und meiner neuen Felge und ganz besonders von dem jungen Radmonteur, nach dessen Namen ich völlig vergessen hab zu fragen.
    Aberdeen ist eine tolle Stadt. Nach Glasgow und Edinburgh die drittgrößte Schottlands. Unglaublich imposante Granitgebäude, eine tolle Bucht samt herrlichem Strand und dabei so unaufgeregt und entspannt. Es war so easy sich in der Stadt zurechtzufinden und auch mit dem Fahrrad sich dort zu bewegen. Mein Eindruck jedenfalls war so.
    Am späten Nachmittag bin ich dann noch die knapp 30 km bis Stonehaven geradelt, wo ich mich auf dem Campingplatz gleich am Strand eingerichtet hab. Nach notwendigstem Wäschewaschen, gab es noch einen Strandspaziergang und 3 Kugeln Eis, denn die hatte dieser Tag mehr als verdient.

  • Tag 31

    gut beschildeter Nordseeküstenradweg

    152 km von Nairn über die Städte Eigin, Buckie, Banff und Turff nach Maud.

    Seid ich mich entschieden hatte, wie ich es nun machen will, ging es mir besser. Klar, könnte es schief gehn, aber zumindest hatte ich nun einen Plan und der hieß: „Auf nach Aberdeen“ und ich entschied mich, zum Glück, auch,  daß ich nicht den schnellsten Weg auf der Hauptstraße dorthin nehme, sondern dem viel weiteren Nordseeküstenradweg folgen werde.
    Den Zustand meiner Felge versuchte ich so gut es eben ging außer Acht zu lassen. Verdrängung ist schließlich ein probates Mittel zur Problembewältigung und das Hinterrad erfüllte heut stoisch und treuergeben seinen durchaus  anspruchsvollen Dienst. Die Unwucht des Reifens spürt man zwar deutlich, aber so lange noch eine luftbreit Platz zwischen Mantel und Rahmenstreben ist und das Rad läuft, soll mir alles recht sein.
    Der Sonntag an sich war ein überaus schöner, auch wenn es zum Premium Titel wegen des heftigen Windes nicht gereicht hat. Fast alle Kilometer waren richtig erarbeitet, der Wind war nur selten heut Verbündeter.
    Dafür kann ich den Nordseeküstenradweg N1 auszeichnen. Er ist exzellent ausgeschildert und führt auf sehr guten und recht verkehrsarmen Wegen durch die grüne Landschaft und durch historische kleine Fischerstädtchen, in denen man das Gefühl hat, daß die Zeit irgendwann dort stehen geblieben ist.
    Sobald der Weg ein wenig weg von der Küste führt, ist man umgeben von weit auseinanderliegenden Farmen mit ihren großen Weiden voller Kühe, Schafe und Pferden. Das sieht auf den ersten Blick, bei blauem Himmel mit Schäfchenwolken, richtig malerisch und idyllisch aus und verstärkt wurde das heute alles von einer absolut friedlichen Sonntagsruhe.
    Mein Zelt hab ich sehr frech auf dem Bowling Feld der Sportanlage aufgestellt. Dort ist der einzigste einigermaßen windgeschütze Platz und die Anlage macht zudem den Eindruck, als hätte sie schon bessere Tage gesehen.
    Ich bin jetzt doch recht geschafft und auch durchfroren vom kühlen, immer noch kräftigen Wind und freue mich auf den Schlafsack und die heiße Milch, die gehört schon fast zur guten Traditon und wird mich sicher und sanft schlafen lassen.
    .

  • Tag 30

    122 km von Dornoch über Inverness nach Nairn

    Der Tag begann gleich am frühen Morgen beim Fahrradcheck mit einem großen Schreck:
    die Felge hat einige feine Risse an den Stellen, wo die Speichen befestigt sind. An einer Stelle ist die Felge richtig aufgebrochen. Kurzum, die Felge ist hin und muß ersetzt werden.
    Somit war klar, was heute die Aufgabe sein würde. Doch diese gestaltete sich sehr kompliziert. Beim ersten kleineren Radladen, auf der Strecke in Dingwall, hiess es gleich, daß ich da nach Inverness müsste, doch dort erging es mir nicht viel besser. Den halben Nachmittag klapperte ich erfolglos die Radläden der Stadt ab. Niemand hat eine passende Felge auf Lager.
    Damit hab ich nun gar nicht gerechnet. Daß vor Montag mir wohl nicht geholfen werden kann, damit schon, aber daß gar nix möglich ist, damit nicht.
    Was nun ??????
    Ziemlich ratlos irrte ich etwas konfus durch die Stadt und wusste gar nicht was ich nun tun sollte. Bei Frustdosenbier und Chips beschloss ich dann einfach weiterzuradeln solange die Felge eben hält, in der Hoffnung bis Montag nach Aberdeen zu kommen, um dort nach einer passenden Felge Ausschau zu halten. Alle Hoffnungen ruhen also auf Aberdeen !!!
    Die Strecke abends noch bis Nairn war sehr schön und ruhig, richtig friedlich und ich war sehr für mich. Das hat gut getan, nach dem Stress und Verkehr in Inverness.
    Diese Felgengeschichte raubt viel Energie und Aufmerksamkeit und das ist einfach schade. Nach Fotos machen war mir heut nicht so.
    Das Zelt hab ich wieder mal im Stadtpark aufgeschlagen, nachdem ich vorhin noch eine ganze Weile sinnierend am Strand saß und in die Abendsonne blickte.

    Die NC 500 ist sowas wie die Route 66 für Schottland. Viele Motorradfahrer sind hier anzutreffen
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